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Lehrstuhl für Finanzierung und Investition - Prof. Dr. Ulrich Pape - ESCP Europe Campus Berlin

Lehrstuhl für Finanzierung und Investition

Veröffentlichungen

Zeitschriftenbeiträge

"Reaktion von Credit Spreads auf Finanzmarktkrisen am Beispiel der Subprime-Krise und der LTCM-Krise"

Mitte Juli 2008 waren die Kapitalmärkte davon überzeugt, die Subprime-Krise im Wesentlichen überstanden zu haben. Die Gesamtverluste beliefen sich bereits auf 400 Mrd. USD, als der Hedge-Fonds Bridgewater Associates die Verluste aus der Subprime-Krise auf 1,6 Bio. USD bezifferte und damit die Schätzung des Internationalen Währungsfonds übertraf, der im April 2008 noch von 945 Mrd. USD ausging. Die erste Phase der Subprime-Krise endete mit der Übernahme von Bear Stearns im März 2008. Mit der Rettung der staatlich unterstützten Hypothekenfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae beginnt der kritische Teil der zweiten Phase, die ihren bisherigen Höhepunkt mit der Insolvenz von Lehman Brothers am 15.09.2008 erreicht. In der Folge wurden weltweit staatliche Rettungsmaßnahmen für Banken eingeleitet.

Nachdem von der im Juni 2007 ausgebrochenen Subprime-Krise zunächst vor allem Banken betroffen waren, verschlechtern sich zunehmend auch die Zukunftsaussichten der Realwirtschaft. Als Folge der Kreditkrise steigen bei Industrieunternehmen die Bonitätsrisiken, die zu steigenden Risikozuschlägen (Credit Spreads) führen.

Im Spätsommer 1998 befanden sich die Kapitalmärkte in einer ähnlichen Situation. Russland stellte am 17.08.1998 die Zahlungen für seine Auslandsschulden ein. Daraufhin geriet der Hedge-Fonds Long-Term Capital Management (LTCM) in eine bedrohliche Schieflage und musste in einer konzertierten Aktion durch die Federal Reserve Bank (FED) und mehrere Wall-Street-Banken für 3,6 Mrd. USD gerettet werden.

Abb. 1: Credit Spreads für 5-jährige USD-Anleihen.
Abb. 1: Credit Spreads für 5-jährige USD-Anleihen.

 

An den Anleihemärkten konnten zwei Effekte beobachtet werden. Zum einen passten die Investoren schlagartig ihre Risikoeinschätzung an, sodass sich die Credit Spreads von Unternehmensanleihen innerhalb weniger Tage um die Hälfte erhöhten. Zum anderen stiegen die Kurse von Staatsanleihen, da die Anleger in risikofreie und liquide Anlageformen flüchteten. Abb. 1 stellt den Verlauf von 5-jährigen Credit Spreads für A- bzw. BBB-geratete Anleihen im Zeitraum von 1995 bis 2008 dar. Es wird deutlich, dass es sowohl zu Beginn der LTCM-Krise als auch zu Beginn der Subprime-Krise zu einer Ausweitung der Credit Spreads kam.

Anhand der beiden Krisen untersucht der vorliegende Beitrag exemplarisch die Reaktionen der Marktteilnehmer auf Finanzmarktkrisen. Dazu werden zunächst Hintergrund und Verlauf der LTCM- sowie der Subprime-Krise dargestellt. Da die Subprime-Krise weiterhin andauert, konzentrieren sich die Ausführungen auf deren erste Phase bis zum Zusammenbruch der Investmentbank Bear Stearns und die Reaktionen der Kapitalmärkte bis Mai 2008. Im zweiten Teil des Beitrages werden die unmittelbaren Auswirkungen auf die Finanzierungsbedingungen von Industrieunternehmen untersucht. Hierzu wird die Entwicklung von Credit Spreads für verschiedene Ratingklassen und verschiedene Restlaufzeiten im Verlauf der beiden Kapitalmarktkrisen betrachtet. Dabei zeigt sich, dass die Credit Spreads infolge der Krisen angestiegen sind. Da gleichzeitig die risikofreien Zinssätze fielen, sind die Fremdkapitalkosten der Unternehmen mehrheitlich gesunken.

Pape, Ulrich/ Schlecker, Matthias: Reaktion von Credit Spreads auf Finanzmarktkrisen am Beispiel der Subprime-Krise und der LTCM-Krise. In: Finanz Betrieb, 11. Jg., 2009, S. 38-45.

Download: Reaktion von Credit Spreads auf Finanzmarktkrisen