Unternehmen auf Industriegütermärkten sind einem deutlichen Anstieg der Wettbewerbsintensität ausgesetzt. Um den wirtschaftlichen Erfolg zu sichern, wird es für Unternehmen immer wichtiger, ganzheitliche Problemlösungen anzubieten, die insbesondere Dienstleistungen einschließen. Als wesentliche Kenngröße wirtschaftlichen Erfolges ist in letzter Zeit verstärkt die Produktivität betrachtet worden. Die Produktivität bezieht sich dabei auf die Fähigkeit eines Unternehmens, Faktoreinsatzmengen in Outputs zu transformieren. Im Gegensatz zur konventionellen Produktivitätsmessung bei Sachgütern weisen Dienstleistungen allerdings zahlreiche Charakteristika auf, die eine gesonderte Betrachtung erfordern.
Ein solches Charakteristikum ist beispielsweise die Kundenintegration, die die Produktivität von Dienstleistungen beeinflussen kann. Eine weitere Besonderheit bezieht sich auf die Tatsache, dass die subjektive Qualitätswahrnehmung auf Seiten der Kunden einen wesentlichen Output darstellt. Um die Produktivität von Dienstleistungen zu messen und ggf. Verbesserungspotenziale zu quantifizieren, ist folglich ein Verfahren notwendig, das sämtliche Spezifika des Dienstleistungskontextes berücksichtigen kann.
Ein geeignetes Verfahren ist die Data Envelopment Analysis (DEA), die den Kern unseres Ansatzes darstellt. Neben den vielseitigen Möglichkeiten, dieses Verfahren auf den Bereich industrieller Dienstleistungen anzuwenden, erweist sich die DEA auch deswegen als vielversprechend, weil sie auf einen absoluten Bewertungsmaßstab verzichtet und stattdessen (reale) Einheiten – in unserem Falle Dienstleistungen – miteinander vergleicht. Daher lässt sich die DEA als Methode des Benchmarking auffassen. Das Ziel unseres Projektes besteht darin, die DEA modelltheoretisch so weiterzuentwickeln, dass sie von Unternehmen auf deren konkretes Leistungsangebot angewandt werden kann. Aus diesem Grund sind verschiedene Anbieter industrieller Dienstleistungen in das Projekt integriert, um eine möglichst breite praktische Anwendbarkeit des Ansatzes sicherzustellen.
Das Projekt wird auf wissenschaftlicher Ebene von der Juniorprofessur für Internationales Marketing (ESCP Europe Wirtschaftshochschule Berlin) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Anlagen und Systemtechnologien und dem European Research Center for Information Systems (beide Westfälische Wilhelms-Universität Münster) durchgeführt. Unterstützt wird das Vorhaben von den Praxispartnern der DMG AG, der ThyssenKrupp AG und der Trumpf GmbH und Co. KG. Das Projekt wird finanziert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Förderungslinie „Produktivität von Dienstleistungen“.
01.09.2010 – 30.04.2014
Prof. Dr. Robert Wilken, Internationales Marketing, ESCP Europe Wirtschaftshochschule Berlin