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Illustration: Stefan Dimitrov (via http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sz-wirtschaftsgipfel-in-der-fluessigen-welt-1.2715726)

Monday 23 November 2015

Führen im digitalen Zeitalter - ein Kommentar zum SZ Wirtschaftsgipfel 2015 von René Mauer

“Führen im digitalen Zeitalter” war das Thema des SZ Wirtschaftsgipfels (19. – 21. November, Berlin) bei dem über 40 hochkarätige Referenten aus Wirtschaft und Politik die großen Fragen des digitalen Wandels diskutierten: Die Herausforderungen des digitalen Zeitalters (Vishal Sikka | infosys), New Economy vs. Old Economy: Wie bringt man Kulturen zusammen? (u.a. Helene von Roeder | Credit Suisse), Führen in komplexen Zeiten (u.a. Ulrich Spiesshofer | ABB), Das deutsche Valley: Wie schaffen wir ein innovatives Ökosystem? (u.a. Madeleine Gummer von Mohl | betahaus und Gisbert Rühl | Klöckner)…

René Mauer, Lehrstuhl für Entrepreneurship und Innovation an der ESCP Europe Berlin, war beim SZ Wirtschaftsgipfel dabei und fasst für uns seine Highlights zusammen:

Wie sieht nun Führung im digitalen Zeitalter aus? Viele der Diskussionen beim SZ Wirtschaftsgipfel 2015 mussten zunächst klären: Ist Deutschland zu spät dran für die Digitalisierung? Neben den üblichen Unkenrufen gab es hier überraschend positive Standpunkte. Infosys CEO Vishal Sikka attestierte Deutschland Expertise in Feldern wie Sensortechnik und Robotik. Darin seien wir nicht unbedingt schnell, würden aber in diesen Entwicklungsbereichen mit „slow thinking“ sogar richtig liegen. Eher nach Wunschdenken klingt die inhaltlich ähnliche Meinung von Helene von Roeder von Credit Suisse, die an die Besonnenheit der Old Economy glaubt, anstatt an unprofitable Fintech-Unternehmen, die keine echten Produkte haben. Die eigentliche Führungsfrage wurde schließlich mit dem unternehmerischen Element, aber auch vergleichsweise analog beantwortet. ABB-CEO Ulrich Spiesshofer zitiert seine Großmutter für den Führungstipp in Sachen Unternehmerkultur: Mehr Zuhören statt Reden, denn man habe zwei Ohren, aber nur einen Mund. Dazu passt auch Vishal Sikkas Stil, der Infosys aus Palo Alto heraus führt. Er betont gegenseitiges Coaching und Inspiration, sowie einen starken Fokus auf unternehmensinterner Ausbildung. Klöckner & Co. hat sich für die unternehmerische Ausbildung im digitalen Zeitalter an das Betahaus gewandt. Dort überraschte Vorstandschef Gisbert Rühl die Gründerin Madeleine Gummer von Mohl, weil er trotz Krawatte und Entourage ins Betahaus zu passen schien. Die daraufhin einsetzende Zusammenarbeit mit einem Fokus auf interdisziplinärem und vernetztem Arbeiten macht nun das Stahlunternehmen ein Stück weit unternehmerischer. Das Fax wird in die Ecke gestellt; stattdessen werden digitale Tools ausprobiert. Für Infosys sicher nicht revolutionär, für Klöckner schon. Eine Erkenntnis klingt bei all dem plausibel nach: Es geht vermutlich nicht darum, dass Silicon Valley zu kopieren, sondern die Digitalisierung für die deutsche Wirtschaft zu erschließen. Dafür gab es beim SZ Wirtschaftsgipfel ein paar faszinierende Beispiele.

Am 25.11.2015 diskutieren wir den digitalen Wandel an der ESCP Europe Berlin im Rahmen der UNTERNEHMERSCHULE-Kamingespräche: „Mastering Digital Transformation“. Die Runde wird dieses Mal von Jörg Rheinboldt moderiert (CEO Axel Spinger Plug and Play), mit auf dem Podium sind: Lars Zimmermann (CEO hy! GmbH) und Rahmyn Kress (Managing Director, Telecom, Media and Technology - Germany, Switzerland and Austria at Accenture).

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