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Die Europäische Union will die Gründung sogenannter Europäischer Hochschulen vorantreiben. In einem am 24. Oktober 2018 veröffentlichten Call for Proposals werden Universitäten aufgefordert, entsprechende Projektideen einzureichen. Die EU stellt zunächst 30 Millionen Euro im Rahmen des Programms Erasmus+ für den Start zur Verfügung. Der Rektor der ESCP Europe Berlin, Prof. Andreas Kaplan, hat fünf Thesen aufgestellt, warum die Zeit für eine Europäische Hochschule reif ist.

Die Europäische Union will die Gründung sogenannter Europäischer Hochschulen vorantreiben. In einem am 24. Oktober 2018 veröffentlichten Call for Proposals werden Universitäten aufgefordert, entsprechende Projektideen einzureichen. Die EU stellt zunächst 30 Millionen Euro im Rahmen des Programms Erasmus+ für den Start zur Verfügung. Der Rektor der ESCP Europe Berlin, Prof. Andreas Kaplan, hat fünf Thesen aufgestellt, warum die Zeit für eine Europäische Hochschule reif ist. 

 

Warum brauchen wir eine Europäische Hochschule?

Fünf Thesen von Prof. Dr. Andreas Kaplan.

 

1.    Eine Europäische Hochschule … schafft europäische Identität.

Führende Politikerinnen und Politiker wie Emmanuel Macron und Jean-Claude Juncker sehen den Schlüssel zu einer europäischen Identität in Bildung und Kultur. Bisher gibt es vor allem nationale Studiengänge mit lediglich länderspezifischen Abschlüssen. Einen europäischen Abschluss gibt es nicht. Dies ist jedoch notwendig, um im Sinne einer europäischen höheren Bildung identitätsstiftend zu wirken. Voraussetzung dafür: eine europäische Instanz, die Inhalte und Anforderungen an einen solchen Hochschulabschluss festlegt und den Grad verleiht.

2.    Eine Europäische Hochschule … ist attraktiv und braucht Renommee.

Um die Idee einer Europäischen Hochschule zu realisieren, bedarf es keiner Neugründung. Wenn die Europäische Hochschule überzeugte Europäerinnen und Europäer ebenso ausbilden soll wie internationale Studierende, muss sie vor allem eines sein: attraktiv. Diese Attraktivität haben bereits etablierte und renommierte Hochschulen wie die Pariser Sorbonne, die Prager Karlsuniversität oder die Berliner Humboldt-Universität. Diese Institutionen könnten jeweils die Leader in dem geplanten Verbund aus weiteren vier bis sechs Hochschulen in mindestens drei europäischen Ländern sein. Sie bestimmen den Lehrplan und können ansonsten die Ressourcen der Netzwerk-Mitglieder nutzen.

3.    Die Europäische Hochschule … fördert kulturelle und soziale Diversität.

Die studentische Mobilität innerhalb Europas ist dank des Austauschprogramms Erasmus+ bereits hoch. Die Zeit im Ausland ist jedoch oft zu kurz, als dass die Studierenden Kultur und Sprache des Studienortes tatsächlich verinnerlichen können. Und oft ziehen sie das Erkunden der Umgebung zunächst dem Lernen neuer Inhalte vor. Die Europäische Hochschule geht deshalb weiter. Die Studierenden verbringen jedes Studienjahr in einem anderen Land, die Studieninhalte bauen aufeinander auf, am Ende steht das europäische Diplom. Nur, wer längere Zeit in die Sprache und Kultur eines anderen Landes eingetaucht ist, bildet ein echtes Verständnis dafür heraus und ist in der Lage, Diversität etwa in Unternehmen und Behörden zu leben. Um allen Studierenden ein solches Studium zu ermöglichen, braucht es die passenden Finanzierungshilfen.

4.    Eine Europäische Hochschule … bildet Vielsprachigkeit aus.

Die Idee einer Europäischen Hochschule ist eng verbunden mit der Fähigkeit ihrer Absolventinnen und Absolventen, die Sprachbarrieren innerhalb der EU zu überwinden. Voraussetzung für den Erfolg des länderübergreifenden Studiums ist eine gemeinsame Wissenschaftssprache, hier sicher Englisch. Dafür muss jedoch bereits der Englischunterricht an den Schulen vieler Länder der EU erheblich verbessert werden. Außerdem erlangen die Studierenden durch jeweils einjährige Aufenthalte an unterschiedlichen Studienorten und intensive Sprachkurse mindestens die Dreisprachigkeit. Diese Kenntnisse schließlich befähigen sie dazu, innerhalb und außerhalb der EU grenzen- und kulturübergreifend tätig zu werden.

5.   Eine Europäische Hochschule … vermittelt europäisches Wissen.

Europa lebt von der kulturellen, sozialen und sprachlichen Vielfalt seiner Mitgliedsstaaten. Das Studium an einer Europäischen Hochschule vermittelt eine Essenz dessen, was Europa im Kern vereint. Dazu gehört ein grundsätzliches Wissen über europäische Institutionen und ihre Funktionsweisen. Auch die Unterschiede bezüglich des jeweiligen Fachgebietes über europäische Länder hinweg sowie im Vergleich zu anderen Regionen der Welt sollten Teil eines solchen Studiums sein. Natürlich ist diese Wissensvermittlung etwa in der Philosophie oder in der Betriebswirtschaftslehre einfacher als in der Mathematik. Dies ist sicherlich hilfreich, um das Fundament zu verstehen, auf dem Europa gebaut ist. Sich dieser europäischen Essenz bewusst zu werden, wäre nicht nur für die Studierenden einer Europäischen Hochschule sinnvoll.

 

Zum Hintergrund

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hat in seiner vielbeachteten Rede an der Pariser Sorbonne im September 2017 die Gründung von 20 Europäischen Hochschulen bis zum Jahr 2024 gefordert. Er erhofft sich durch die Förderung einer europäischen Bildungselite neuen Schwung für die Idee eines vereinten Europas. Studierende an solchen Universitäten würden jedes Jahr ihres Studiums in einem anderen europäischen Land absolvieren.

Bisher gab es einen Call for Action, auf den die etablierten Universitäten jedoch verhalten reagiert haben. Am 24. Oktober 2018 hat die EU nun 30 Millionen Euro Projektförderung im Rahmen des Erasmus+ Programms in Aussicht gestellt, mit deren Hilfe die Europäischen Hochschulen gestartet werden. Die Universitäten wurden aufgefordert, entsprechende Projekte einzureichen.

Tatsächlich sind eine Reihe von Hürden zu nehmen, um ein derart ambitioniertes Vorhaben umzusetzen. Es gibt jedoch bereits bestehende europäische Hochschulverbünde, auf deren Erfahrungen man aufsatteln könnte, etwa die 4EU Alliance, die EuroTech Alliance, die Französisch-Deutsche Universität und nicht zuletzt die ESCP Europe mit ihrem seit 1973 bestehenden Multicampus-Modell.

Die Studierenden der ältesten Wirtschaftshochschule der Welt (gegründet 1819) können an den Standorten Berlin, London, Madrid, Paris, Turin und Warschau ihre Kurse absolvieren. Hinzu kommen rund 130 Partneruniversitäten weltweit. Alle der mehr als 5.000 Studierenden aus mehr als 100 Nationen absolvieren ihr Studium an mindestens zwei der ESCP-Standorte, oft auch an drei oder vier der unterschiedlichen Campus. Die Bachelorstudierenden beispielsweise wechseln jedes Jahr den Studienort. Die ESCP Europe Berlin ist als wissenschaftliche Hochschule staatlich anerkannt und bundesweit die erste Hochschule, die von allen drei wichtigen internationalen Akkreditierungsagenturen – AACSB, AMBA und EFMD (EQUIS) – zertifiziert wurde.

 

Der Autor  

Andreas Kaplan ist Rektor der Wirtschaftshochschule ESCP Europe Berlin. Mit Vielsprachigkeit und Multikulturalität ist der Wirtschaftswissenschaftler vertraut: Er hat wiederholt in Frankreich gelebt und unter anderem an der Pariser Universität Sorbonne habilitiert. Kaplan ist überzeugter Europäer und befürwortet als solcher ein starkes Europa.

Seine Forschungsinteressen liegen vor allem im Einfluss der Digitalisierung auf das Hochschulwesen, dessen Zukunft im Allgemeinen sowie in Funktionsweisen von sozialen Medien, der digitalen Kommunikation und der künstlichen Intelligenz. Mit fast 20.000 Nennungen auf Google Scholar und mehr als 100 wissenschaftlichen Veröffentlichungen – den Großteil davon in führenden nationalen und internationalen Fachzeitschriften – wird Kaplan unter den Top 50 Business- und Management-Autoren weltweit gelistet (laut dem US-amerikanischen Verlag John Wiley & Sons).

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